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KI bei der RVG-Honorarabrechnung: Was Kanzleien automatisieren

·5 Min. Lesezeit·KImpuls
Ein geöffneter dunkler Holz-Aktenschrank mit dicht gefüllten Hängemappen und einer quer darüberliegenden dicken, abgenutzten Aktenmappe veranschaulicht Papierverwaltung als Ausgangspunkt für Prozessoptimierung bei der RVG-Honorarabrechnung.KI-Symbolbild

Symbolbild, mit KI erstellt.

Wer eine Kostennote nach RVG schreibt, sucht zuerst in der Akte, welche Tätigkeiten angefallen sind, und schlägt erst danach den Gebührentatbestand auf. Genau der erste Schritt kostet Zeit, und genau dort setzen KI-Werkzeuge an. Naheliegend ist der Gedanke, KI erstelle die Abrechnung am Ende von allein. Das trifft nicht zu, und dieser Beitrag zeigt, warum.

Definition: Die RVG-Honorarabrechnung ist die Berechnung der anwaltlichen Vergütung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. KI-gestützte Automatisierung bedeutet, dass Software Akteninhalte, Zeiteinträge und Schriftverkehr auswertet und daraus einen Entwurf der Kostennote vorbereitet. Die Prüfung und Freigabe bleibt bei der Anwältin oder dem Anwalt.

Der Irrtum: KI rechnet selbstständig ab

Die naheliegende Annahme lautet: Man füttert die Software mit der Akte, und die fertige Kostennote geht an den Mandanten. Sie klingt plausibel, weil Abrechnung nach Regeln funktioniert und Regeln sich scheinbar leicht in Software gießen lassen.

Der Haken liegt in der Akte. Welche Tätigkeit welchen Gebührentatbestand auslöst, hängt vom Einzelfall ab: von Auftragsumfang, Streitwert, Vereinbarungen mit dem Mandanten und davon, was tatsächlich getan wurde. Ein Sprachmodell erkennt Muster in Texten. Was nicht in der Akte steht, kann es nicht berücksichtigen, und eine Vereinbarung, die dort fehlt, fließt auch nicht in den Entwurf ein.

Wir sehen das als Gegenstück zu unserem Beitrag über Stundenerfassung in der Kanzlei: Erfassen und Vorsortieren lässt sich automatisieren, das Entscheiden bleibt bei Ihnen.

Was die BRAK zu Prüfpflichten sagt

Die Bundesrechtsanwaltskammer hat einen Leitfaden zum KI-Einsatz in Kanzleien veröffentlicht. Laut BRAK (Nachrichten aus Berlin 1/2025, 2025) behandelt er Prüf- und Kontrollpflichten, die Wahrung der anwaltlichen Verschwiegenheit und Transparenzpflichten; er ist unverbindlich und hat empfehlenden Charakter (https://www.brak.de/newsroom/newsletter/nachrichten-aus-berlin/2025/ausgabe-1-2025-v-812025/kuenstliche-intelligenz-in-anwaltskanzleien-brak-veroeffentlicht-leitfaden/).

Zur Qualität der Ergebnisse berichtet das Portal tax&bytes unter Bezug auf die BRAK-Meldung (2025): Der Leitfaden mit Stand Dezember 2024 warnt, dass KI-Tools falsche Inhalte, sogenannte Halluzinationen, liefern können, was ohne hinreichende anwaltliche Kontrolle zu haftungsrechtlichen Problemen führen kann (https://www.taxandbytes.de/360/ki-in-anwaltskanzleien). Für die Honorarabrechnung folgt daraus: Automatisch erzeugte Abrechnungsdaten müssen geprüft werden.

Ein Gericht nimmt die Prüfpflicht ernst

Das Kammergericht Berlin hat mit Beschluss vom 20.11.2025 (Az. 17 WF 144/25) klargestellt, dass Anwälte mit KI erstellte Schriftsätze samt Rechtsprechungszitaten prüfen müssen. Laut BRAK waren die Zitate in diesem Fall erfunden (https://www.brak.de/newsroom/news/ki-halluzination-kg-ermahnt-anwaeltin-wegen-erfundener-urteile-im-schriftsatz/).

Der Fall betraf einen Schriftsatz, keine Kostennote. Die Logik lässt sich aus unserer Sicht trotzdem übertragen: Wer ein KI-Ergebnis unterschreibt, trägt dafür die Verantwortung. Eine erfundene Position in einer Kostennote wäre vermutlich nicht weniger problematisch als ein erfundenes Urteil im Schriftsatz. Das ist unsere Einschätzung, keine Rechtsauskunft.

Verschwiegenheit: Mandatsdaten in der Abrechnung

Eine Kostennote enthält Mandatsinformationen: Gegenstand, Beteiligte, Tätigkeiten. Laut BRAK behandelt der Leitfaden unter anderem die Wahrung der anwaltlichen Verschwiegenheit (Quelle siehe oben). Wer Akteninhalte in ein KI-Werkzeug gibt, um daraus eine Kostennote vorzubereiten, gibt solche Informationen weiter.

Aus unserer Sicht sollten Sie deshalb vor jedem Einsatz mit dem Anbieter klären, wo und wie die Daten verarbeitet werden. Das ist eine Empfehlung von uns, keine Rechtsauskunft. Weiterführend: unser Beitrag zur Compliance-Dokumentation in der Kanzlei.

Was sich sinnvoll vorbereiten lässt

KI hilft bei der Vorarbeit, die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei der Kanzlei. Als Vorarbeit eignen sich mehrere Schritte:

SchrittRolle der KIAnwaltliche Prüfung
Tätigkeiten aus Akte und Zeiteinträgen sammelnEntwurf einer ListeVollständigkeit und Richtigkeit
Gebührentatbestände vorschlagenVorschlag mit BegründungZuordnung im Einzelfall
Auslagen und Fristen abgleichenHinweis auf LückenFreigabe der Positionen
Kostennote formatierenEntwurf im KanzleilayoutUnterschrift und Versand
Zahlungseingang überwachenErinnerungEntscheidung über Mahnung, siehe Mahnwesen in der Kanzlei

Ein Gedankenspiel zur Größenordnung: Nimmt man an, eine Kanzlei stellte 40 Kostennoten im Monat aus und das Zusammensuchen der Tätigkeiten dauerte je 15 Minuten, käme man rechnerisch auf etwa 10 Stunden. Das ist eine Annahme, keine Messung.

Unsere Empfehlung: Freigabe vor dem Versand

KImpuls analysiert Geschäftsprozesse, findet Ineffizienzen und berechnet Optimierungspotenziale mit ROI. Die Plattform wird auf die Abläufe des jeweiligen Betriebs konfiguriert.

Aus unserer Sicht sollte die Kostennote nicht automatisch an Mandanten gehen. Ein Fehler landet dann unmittelbar beim Mandanten, und ob eine Position berechnet, ermäßigt oder erlassen wird, ist eine Entscheidung, die KI-Automatisierung nicht abnimmt. Sinnvoll ist ein Ablauf mit Freigabeschritt, in dem jede Position mit ihrer Herkunft aus der Akte sichtbar ist und ein Mensch sie vor dem Versand bestätigt.

Fazit

Die RVG-Honorarabrechnung lässt sich teilweise automatisieren, die Verantwortung bleibt bei der Kanzlei. Laut BRAK behandelt der Leitfaden Prüf- und Kontrollpflichten, die Wahrung der Verschwiegenheit und Transparenzpflichten, und das Kammergericht Berlin hat die Prüfpflicht bei KI-Ergebnissen bestätigt. Starten Sie mit einem Engpass, etwa der Sammlung der Tätigkeiten, und messen Sie vorher die Dauer. Wie so eine Analyse abläuft, zeigt der Rundgang durch die KImpuls-Erstdiagnose.

Häufig gestellte Fragen

Kann KI die RVG-Honorarabrechnung vollständig übernehmen? Nein. Laut tax&bytes unter Bezug auf die BRAK (2025) können KI-Tools falsche Inhalte liefern, und ohne hinreichende anwaltliche Kontrolle drohen haftungsrechtliche Probleme. KI kann einen Entwurf vorbereiten, die Freigabe erfolgt durch die Anwältin oder den Anwalt.

Muss ich die KI-Ergebnisse wirklich prüfen? Ja. Das Kammergericht Berlin hat im Beschluss vom 20.11.2025 (Az. 17 WF 144/25) klargestellt, dass Anwälte mit KI erstellte Schriftsätze samt Zitaten prüfen müssen. Für Kostennoten halten wir dieselbe Sorgfalt für geboten.

Ist der BRAK-Leitfaden verbindlich? Nein. Laut BRAK (2025) ist er unverbindlich und hat empfehlenden Charakter. Er behandelt Prüf- und Kontrollpflichten, Verschwiegenheit und Transparenz und eignet sich als Maßstab für die interne Richtlinie.

Was ist bei Mandatsdaten in KI-Tools zu beachten? Laut BRAK (2025) behandelt der Leitfaden die Wahrung der anwaltlichen Verschwiegenheit. Aus unserer Ssicht sollten Sie vor dem Einsatz mit dem Anbieter klären, wo und wie Ihre Daten verarbeitet werden.

Hinweis zur Erstellung

Dieser Beitrag und sein Titelbild wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Abgebildete Motive sind Symbolbilder. Wie wir KI einsetzen — auch in der Prozessdiagnose selbst — steht unter KI-Transparenz. Redaktionelle Freigabe: Jens Schöberling.

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