KI im Handwerk 2026: Bitkom sieht Know-how als Hürde
KI-SymbolbildSymbolbild, mit KI erstellt.
Ein verbreiteter Irrtum lautet: KI sei etwas für Konzerne mit eigener IT-Abteilung, ein Elektro- oder Sanitärbetrieb mit 15 Leuten habe dafür weder Bedarf noch Chance. Die neuen Bitkom-Zahlen zeigen, dass KI bei Unternehmen ab 20 Beschäftigten inzwischen die Mehrheit erreicht hat. Im Handwerk ist der Stand ein anderer, und genau dort lohnt der genauere Blick.
Definition: KI im Handwerk bezeichnet den Einsatz lernender Software in Handwerks- und Baubetrieben, etwa bei Angebotserstellung, Materialdisposition und Baudokumentation. Sie übernimmt Routinearbeit im Büro und bei der Erfassung. Handwerkliche Arbeit auf der Baustelle bleibt bei den Fachkräften.
Bitkom 2026: Mehrheit nutzt KI, Know-how fehlt
Laut Bitkom setzen 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein, im Jahr 2025 waren es 36 Prozent, 2024 noch 20 Prozent. Bei den Unternehmen ohne KI fehlt 85 Prozent das technische Know-how zur Implementierung (Bitkom e. V., 2026, Befragung von 603 Unternehmen, KW 28 bis 33, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Erstmals-nutzt-Mehrheit-Unternehmen-KI).
Für Handwerksbetriebe sieht das Bild anders aus. Laut einer Bitkom-Umfrage, über die das Handwerksblatt (Autorin Kirsten Freund, 2025) berichtet, setzen nur 4 Prozent der Handwerksbetriebe KI bereits ein, 9 Prozent befinden sich in der Planungsphase (https://www.handwerksblatt.de/betriebsfuehrung/bitkom-umfrage-zur-digitalisierung-im-handwerk). Beide Erhebungen haben unterschiedliche Stichproben und Jahre, sie lassen sich nicht direkt gegeneinander rechnen. Für die Einordnung reicht der Abstand aber aus: Das Handwerk startet später. Fehlendes Know-how liegt als Grund dafür nahe, belegt ist er für das Handwerk allerdings nicht gesondert.
Wichtig für die Erwartung: Nach Einschätzung des Deutschen Handwerksinstituts und des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik (2025) kann KI handwerkliche Arbeit nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen und Fachkräfte entlasten, etwa bei Planung, Dokumentation oder Qualitätskontrolle (https://dhi.zdh.de/dhi-news/aktuelle-veroeffentlichungen/der-einfluss-kuenstlicher-intelligenz-auf-das-handwerk-von-morgen/).
Was das im Betrieb bedeutet, hängt von der Rolle ab.
| Rolle | Leitfrage | Sinnvoller erster Schritt |
|---|---|---|
| Geschäftsführung | Wo geht Zeit verloren, die sich beziffern lässt? | Prozesse erfassen, Engpass benennen |
| Abteilungsleitung | Welche Routine im Büro oder in der Bauleitung wiederholt sich täglich? | Einen Ablauf auswählen und messen |
| Operative Mitarbeiter | Was kostet auf der Baustelle Zeit ohne Wertschöpfung? | Erfassung vereinfachen, Feedback geben |
Geschäftsführung: Was sich für den Chef ändert
Der Chef muss entscheiden, welcher Ablauf zuerst angefasst wird, und dafür braucht er Zahlen aus dem eigenen Betrieb. Fehlendes Know-how, wie es 85 Prozent der Bitkom-Befragten ohne KI nennen (Bitkom e. V., 2026, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Erstmals-nutzt-Mehrheit-Unternehmen-KI), lässt sich im Betrieb nur schließen, wenn jemand die Prozesse kennt und bewertet.
KImpuls analysiert Geschäftsprozesse, findet Ineffizienzen und berechnet Optimierungspotenziale mit ROI. Die Plattform wird auf die Abläufe des jeweiligen Betriebs konfiguriert. Für Handwerk und Bau zeigt der Rundgang durch die Erstdiagnose, wie eine solche Analyse abläuft.
Unsere Empfehlung: Wir raten davon ab, zuerst die Kalkulation von Sonderanfertigungen oder komplexen Bauprojekten zu automatisieren. Dort entscheidet Erfahrung über den Preis, und ein Fehler wäre teuer. Besser ist ein Ablauf, der oft wiederkehrt und klare Regeln hat.
Abteilungsleitung: Büro und Bauleitung
Im Büro und in der Bauleitung liegen die Aufgaben, die zu den Schmerzpunkten des Handwerks passen: Angebotserstellung, Materialdisposition und Dokumentation. Hier wird KI konkret, weil die Eingaben (Aufmaß, Positionslisten, Lieferscheine) schon digital oder halbdigital vorliegen.
Ein Rechenbeispiel (hypothetisch): Angenommen, ein Betrieb schreibt 6 Angebote pro Woche und könnte pro Angebot 30 Minuten sparen, dann wären das in diesem Modell 3 Stunden pro Woche und bei 44 Arbeitswochen rund 132 Stunden im Jahr. Ob dieser Wert im eigenen Betrieb erreichbar ist, zeigt erst eine Messung der heutigen Bearbeitungszeit. Wie ein solcher Ablauf aussehen kann, beschreibt der Beitrag zur Automatisierung von Kostenvoranschlägen im Handwerk.
Wichtig für Abteilungsleiter ist die ehrliche Grenze: KI löst nicht das Problem, dass Leistungsverzeichnisse unklar oder Preislisten veraltet sind. Solche Daten müssen vorher in Ordnung gebracht werden, sonst rechnet die Software zuverlässig mit falschen Grundlagen.
Ein sinnvoller Einstieg für Bauleiter:
- Einen Ablauf wählen, den mehrere Personen ähnlich erledigen
- Die heutige Dauer über zwei Wochen aufschreiben
- Festlegen, wer Ergebnisse der Software prüft und freigibt
- Nach vier Wochen Zeit und Fehlerquote mit dem Ausgangswert vergleichen
Operative Mitarbeiter: Monteur und Geselle auf der Baustelle
Für Monteure, Gesellen und Poliere ändert sich am Werkstück nichts. Spürbar wird KI dort, wo Nebenarbeiten anfallen: Fotos den richtigen Räumen zuordnen, Stunden und Material erfassen, Abnahmeprotokolle vorbereiten. Das entspricht dem, was das DHI und das Heinz-Piest-Institut (2025) als Entlastung bei Dokumentation und Qualitätskontrolle beschreiben. Der Beitrag zur Baustellendokumentation mit KI geht auf diesen Teil genauer ein.
Damit das im Alltag funktioniert, muss die Erfassung einfacher sein als der Zettel im Transporter. Ist sie es nicht, tragen die Mitarbeiter nichts ein, und die Auswertung im Büro bleibt leer. Wir empfehlen deshalb, zwei oder drei Mitarbeiter von der Baustelle früh einzubinden und ihre Rückmeldung ernst zu nehmen. Wer täglich mit Handschuhen und Handy arbeitet, erkennt schneller als das Büro, welche Eingabe zu umständlich ist.
Ein Punkt gehört ausdrücklich dazu: Die Sorge, KI ersetze Gesellen, ist nach Einschätzung des DHI und des Heinz-Piest-Instituts (2025) für handwerkliche Arbeit nicht begründet. Angesichts des Fachkräftemangels geht es eher darum, vorhandene Fachkräfte von Schreibarbeit zu entlasten.
Fazit
Die Bitkom-Zahlen von 2026 zeigen, dass KI im Mittelstand angekommen ist, während das Handwerk laut der Bitkom-Umfrage von 2025 noch am Anfang steht. Als Hürde nennen 85 Prozent der Unternehmen ohne KI fehlendes Know-how (Bitkom e. V., 2026, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Erstmals-nutzt-Mehrheit-Unternehmen-KI). Diese Lücke lässt sich schließen, indem die Geschäftsführung einen messbaren Engpass benennt, die Abteilungsleitung einen klar geregelten Ablauf testet und die Mitarbeiter auf der Baustelle mitreden. Eine Modellrechnung wie die oben genannte ersetzt keine Messung im eigenen Betrieb. Sie hilft aber bei der Entscheidung, wo der Aufwand lohnen könnte.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Unternehmen in Deutschland nutzen 2026 KI? Laut Bitkom nutzen 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI, 2025 waren es 36 Prozent und 2024 20 Prozent (Bitkom e. V., 2026, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Erstmals-nutzt-Mehrheit-Unternehmen-KI). Die Zahl gilt für Unternehmen dieser Größe und nicht speziell für das Handwerk.
Wie weit ist das Handwerk bei KI? Laut der Bitkom-Umfrage von 2025 setzen 4 Prozent der Handwerksbetriebe KI ein, 9 Prozent planen den Einsatz (Handwerksblatt, Kirsten Freund, 2025, https://www.handwerksblatt.de/betriebsfuehrung/bitkom-umfrage-zur-digitalisierung-im-handwerk). Neuere Handwerkszahlen liegen uns nicht vor.
Womit sollte ein Handwerksbetrieb anfangen? Mit einem Ablauf, der oft wiederkehrt, klare Regeln hat und dessen Dauer sich messen lässt, etwa die Angebotserfassung oder die Materialbestellung. Komplexe Sonderfälle eignen sich für den Anfang weniger.
Ersetzt KI Fachkräfte im Handwerk? Nach Einschätzung des DHI und des Heinz-Piest-Instituts (2025) kann KI handwerkliche Arbeit nicht ersetzen. Sie kann Fachkräfte aber bei Planung, Dokumentation oder Qualitätskontrolle entlasten (https://dhi.zdh.de/dhi-news/aktuelle-veroeffentlichungen/der-einfluss-kuenstlicher-intelligenz-auf-das-handwerk-von-morgen/).
Hinweis zur Erstellung
Dieser Beitrag und sein Titelbild wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Abgebildete Motive sind Symbolbilder. Wie wir KI einsetzen — auch in der Prozessdiagnose selbst — steht unter KI-Transparenz. Redaktionelle Freigabe: Jens Schöberling.